How to: Wie wechsle ich einen Fahrradschlauch

Fahrradschlauch wechseln

 

(Ca. 4 Min. Lesezeit) 

PFFFFFFFFFFFFFFFFFFFT….. Das mit Abstand grausamste Geräusch beim Radfahren. Für mich jedenfalls. Noch vor dem fiesen Pladdern, wenn’s zu regnen beginnt.

Die Luft verlässt den Reifen. Ich habe platt. Heißt: Kurz fluchen, schnell runter vom Rad (bloß nicht auf der Felge weiterfahren!), in Ruhe Schlauch wechseln (oder flicken). Und wie wechsle ich einen Fahrradschlauch?

Ja genau: IN RUHE! Ich tendiere bei so was zur Hektik, außerdem bin ich handwerklich nicht besonders talentiert. Deshalb war bei mir ein paar Mal auch das neue Gummi nach kurzer Fahrt platt – weil ich nicht sorgfältig genug gewesen war.

Da selbst ich aus Schaden manchmal klug werde, mache ich es seitdem (erfolgreich!) wie folgt. Jetzt kommen 20 Punkte, aber keine Sorge:  Das sieht aufwendig aus, ist es aber gar nicht. Mit etwas Übung geht das viel schneller, als Du vielleicht denkst: 

  1. Nach dem „Pfffffffffft“ anhalten, absteigen und – wichtig!!! - dreimal ganz tief durchatmen

  2. Ich nehme mir Zeit. Auf ein paar Minuten mehr oder weniger kommt es nicht an.

  3. Ich suche ein einigermaßen ruhiges Plätzchen für den Schlauchwechsel (nicht direkt auf oder am Radweg – Fußgänger oder vorbeifahrende Radler machen mich nervös)

  4. Ich lege mir 2 Reifenheber, Pumpe und Ersatzschlauch zurecht. Wer lieber flickt statt austauscht, nimmt sein Flickzeug. Mit einem Schlauch ist es komfortabler, schneller und sicherer. Denn manchmal löst sich der Flicken wieder, und der Reifen ist wieder platt. Ich habe dennoch selbstklebende Flicken dabei, falls der neue Schlauch den Geist aufgibt. Pannenspray oder Reifendicht-Gel wären auch eine Möglichkeit. Ist das Loch jedoch zu groß, hilft nur noch ein neuer Schlauch. Für mich ist das nichts.

  5. Laufrad ausbauen. Wenn der Platten am Hinterrad ist: Auf das kleinste Ritzel der Kassette hinten ganz nach außen schalten, vorn sollte die Kette auf dem kleinen Kettenblatt liegen (erleichtert den Radausbau enorm)
  1. Felgenbremse öffnen (entfällt bei Scheibenbremsen), damit das Rad durchpasst

  2. Schnellspanner öffnen und etwas aufdrehen. Bei Steckachsen: Aufschrauben und herausziehen.
  1. Das Rad vorsichtig rausnehmen. Dazu ziehst du das Schaltwerk etwas nach hinten. Dann fällt das Hinterrad einfach raus. Bei SRAM gibt es eine Ausbauhilfe. Hier kann man den Schaltarm einfach vorne einrasten lassen. Bei Shimano kannst du bei einigen Modellen (meist MTB) die Federspannung reduzieren, was auch hilft. Ich stehe nicht so auf verdreckte Hände, habe deshalb immer Einweghandschuhe dabei.

  2. Das Fahrrad vorsichtig auf die Seite legen oder an einen Zaun/Ast hängen. Auf keinen Fall aufrecht auf dem empfindlichen Schaltwerk abstellen! Du kannst Dein Fahrrad vor Beginn der Arbeiten auch auf den Kopf drehen, wenn Dir das lieber ist (Achtung: auf Radcomputer bzw. Smartphone achten/ abnehmen)

  3. Sollte noch etwas Luft im Reifen sein, drücke ich diese heraus (Ventil öffnen!)

  4. Ich knete den Reifen einmal komplett durch, dann lässt er sich besser von der Felge lösen.

  5. Jetzt wird’s ernst, der Reifenmantel muss runter von der Felge. Das kann einen leicht zur Verzweiflung treiben. Entscheidend ist, dass du 2 Reifenheber verwendest und die richtigen Handgriffe kennst. Schritt für Schritt geht das so:

  • Mantel auf eine Seite der Felge schieben

  • Reifenheber 1 unterhaken, Mantel aushebeln und an Speiche festklemmen

  • Reifenheber 2 etwa 10 bis 15 cm vom ersten Reifenheber ansetzen und Mantel komplett aushebeln 
  • Nun kannst du den Mantel ganz einfach von der Felge heben. Dazu ziehst du den Reifenheber um die Felge.



Falls du den Schlauch flicken möchtest, solltest du bei der Montage besonders vorsichtig vorgehen und den Schlauch nicht mit den Reifenhebern perforieren.

    1. Ich schraube (sofern vorhanden) den Konterring vom Ventil, ziehe das Ventil durch die Felge und dann den ganzen Schlauch unter dem Mantel heraus.

    2. Jetzt kommt etwas extrem Wichtiges: Ich taste das Felgenbett und den Mantel innen sehr sorgfältig und ohne Hektik ab nach Glassplittern, Dornen, spitzen Steinen oder was auch immer den Schlauch durchstochen haben könnte und entferne den Übeltäter. Auch kontrolliere ich außen die Lauffläche des Reifens.


    3. Den neuen Schlauch ein wenig anpumpen, bis er keine Falten mehr wirft.

     

    1. Das Ventil des neuen Schlauchs durch das Loch in der Felge stecken (noch nicht den Konterring raufschrauben!), dann den ganzen Schlauch unter den Reifen rund um die Felge legen (drauf achten, dass er „faltenfrei“ bleibt).

     

    1. Den Mantel, beginnend gegenüber vom Ventil, mit beiden Händen wieder zurück in die Felge drücken. Achte sorgfältigst darauf, dass dabei der Schlauch nicht zwischen Reifen und Felgenrand gequetscht wird!


      Wichtig:
      Nimm‘ zum Eindrücken des Mantels nur die Hände und verwende die Reifenheber nur, wenn es absolut nicht anders geht. Falls es am Ende sehr schwer wird, den Mantel überzuschieben, hilft folgender Trick. Beginne noch einmal gegenüber vom Ventil und drücke den Mantel ganz weit in die Mitte der Felge. Da hier der Durchmesser kleiner ist, bekommt der Reifen mehr Platz und lässt sich dann einfach in die Felge drücken.
    1. Nun pumpe ich etwas mehr Luft in den Schlauch, knete den Mantel noch einmal komplett durch und richte ihn aus. Wichtig: Es darf nicht das geringsten Stückchen Schlauch zwischen Felge und Mantel zu sehen sein.

    2. Ich pumpe den Schlauch entweder per Hand soweit auf, dass ich mit dem Luftdruck gut weiterfahren kann. Oder ich nehme eine CO2-Kartusche – spart viel Zeit und Kraft, liefert perfekten Luftdruck. Wichtig: Befindet sich der Schlauch nicht in der richtigen Position, wird er beim Aufpumpen beschädigt und du kannst von vorn mit dem Reparieren anfangen. Also immer sorgfältig alle Schritte beachten!
    1. Jetzt setze ich das Laufrad wieder ein. Wichtig ist, dass es gerade im Rahmen steht und die Bremse nicht schleift.

     

    GESCHAFFT!

    Begabtere Schlauchwechsler als ich sind in spätestens 10 Minuten fertig, ich brauche meist ein paar Minuten länger. Spielt für mich aber überhaupt keine Rolle, Hauptsache sauber montiert.

    Mein Rat: Nimm dir zu Hause irgendwann etwas Zeit und übe das Prozedere. Einmal, zweimal – bis du dich sicher fühlst. Spaß macht das nicht unbedingt, ich weiß. Es erspart dir aber garantiert unterwegs eine Menge Stress.

    Profis schaffen den Wechsel mit einer Kartusche übrigens unter 1 Minute! Wie lange brauchst du?

    In unserem Shop findest du alle Tools für den nächsten Schlauchwechsel.

    Zu den Werkzeugen im Shop

     

    Fragen zum Sattel? Antworten findest du beim saddle.expert

     

    Autor: Jan
    Erhöht mit Rennrad, E-Bike, MTB und Trekkingrad seine Lebensqualität erheblich. Mal sportlich, mal gemütlich. Mal allein, mal mit Freunden und Familie. Gern mit Höhenmetern. Hat viel erlebt und zu erzählen. Manchmal schreibt er seine Erlebnisse und Erfahrungen auch auf. Zum Beispiel im saddle.blog